Ostwall wieder ,,Visitenkarte”

Gelb-Farbe des neuen Konzepts der ,, Prachtstraße”
25. März 1983
Anlieger werden aktiv – Anregungen für Stadtplaner

,,Der Ostwall soll sich qualitativ wieder mehr von anderen Straßen abheben.” Theo Windges und Andreas Hirche, die sich dazu ein erstes Konzept haben einfallen lassen, wollen ihn wieder zu einer ,,Visitenkarte” unserer Stadt machen – nicht nur durch werbliche Maßnahmen. Der Ostwall soll attraktiver werden, so wie einst, ehe ,,vieles hier gedankenlos zertrümmert wurde”, jedenfalls nach Meinung von Josef Rittgeroth, einer der drei Sprecher der Interessengemeinschaft Ostwall, in der 75 Geschäftsleute vereint sind. Alle Überlegungen werden wesentlich bestimmt von der Frage: Wie kann der Verkehr am Ostwall ,,Beruhigt” werden? Andererseits soll die Attraktivität durch eine ,,Aktionszone Mittelstreifen” verstärkt werden.

Am Ostwall meint man, die Stadt habe – als Beispiele – Königstraße und Hochstraße in ihrer Planung ,,bevorzugt”. Die städtischen Planer sähen bekanntlich – wie die Polizei – im Ostwall eine notwendige Verkehrsader. Den Ostwall dagegen habe man mehr ,,am Rande der eigentlichen Einkaufszone” eingestuft. Dazu Theo Windges gestern in einem Gespräch mit der Presse: ,Daher ist der Ostwall dabei, eine kranke Straße zu werden. Er soll nun genesen.” Die Sprecher der Interessengemeinschaft (außer Josef Rittgeroth noch Jo Tophoven und Ulrich Gruissem) möchten jedoch ergänzen: ,,Die Gründe für diese Entwicklung sind schwer messbar. Sie liegen sicher zum Teil auch an der allgemein wenig erfreulichen Wirtschaftslage.”
Ein Hinweis der Anlieger, warum sie vor allem eine Verkehrsberuhigung für unbedingt notwendig halten: Auf dem Ostwall, zwischen Rheinstraße und Hauptbahnhof, sind in den Jahren von 1980 bis 1982 insgesamt 190 Verletzten und zwei Todten als Opfer registriert worden.

Die für eine Änderung der Situation notwendigen Vorschläge der Geschäftsleute sind noch nicht ausgereift. Doch man denkt daran, den Ostwall zu einer Anliegerstraße zu machen und schlägt breite Zebrastreifen vor. An eine Fußgängerzone ist nicht gedacht. Der Mittelstreifen soll zu einer ,,Aktionszone” gemacht werden. Frage der Anlieger dazu: Wie wäre es mit einem Cafè mit Hochbühne, wohin Brückentreppen führen?

Manches an diesen Vorschlägen liegt noch nahe der Utopie, doch die städtischen Planer sollen architektonisch zu einfällen bewegt werden. Die Geschäftsleute meinen seit langem, dass ,,der Besucher unserer Stadt am Bahnhof auf wenig attraktive Art begrüßt” wird. Das soll anders werden.

Die ersten Aktionen auf werblichem Sektor sind angelaufen. Die Auftraggeber des neuen Konzepts sowie die werbeexperten Theo Windges und Andreas Hirche sind sich einig: ,,Gelb wird die Farbe des Ostwalls.” Auch sonst ist man sich in der Zielsetzung klar,, trotz unterschiedlicher Strukturen auf dem Ostwall, von einer Seiter zur anderen, zwischen, oben und unten”.