Architektur auf dem Ostwall in Krefeld

Geschichte

Entstehung und Gestaltung

Der Ostwall entstand zusammen mit den drei anderen Wällen (Nord-, Süd- und Westwall) im Zuge einer Stadterweiterung zwischen 1817 und 1850. Die Verwaltung Krefelds beschloss die Errichtung neuer Wohnquartiere außerhalb ihrer Mauern, da die Stadt schnell wuchs und Neubesiedlungen bis dahin planlos und ohne Ordnung stattfanden. Im Dezember 1815 beschloss der Gemeinderat offiziell die Erweiterung und beauftragte Wilhelm Goldammer mit der topographischen Erfassung des derzeitigen Stadtbildes. Goldammer zeichnete aus diesen Daten eine „Carte der Stadt Crefeld“, die der Gemeinderat am 19. März 1817 mit einem Bauplan an die landrätliche Behörde in Düsseldorf sandte[2]. Zudem bat der Rat den Regierungsbaurat Adolph von Vagedes, auf Grundlage dieser Ideen einen Erweiterungsplan zu entwerfen.

Adolph von Vagedes (1777–1842) gehörte zu den bekanntesten klassizistischen Architekten und Stadtplanern der Region und arbeitete unter anderem für Karl Friedrich Schinkel. Daneben dichtete und komponierte er. Bei der Neuregelung der rheinischen Verwaltung wurde er 1818 zum Regierungsbaurat ernannt. Er beteiligte sich ebenfalls am Umbau von DüsseldorfSolingenMülheim an der Ruhr oder Elberfeld. Krefeld jedoch war sein größtes städtebauliches Projekt.

Im lang gezogenen Stadtbild Krefelds sah von Vagedes eine Möglichkeit, seine Ideen zu verwirklichen. Als Architekt des Klassizismus arbeitete er mit typisch griechischen Elementen und metrische Harmonie war ihm wichtig. Die bereits in einer früheren Stadterweiterung 1692 unter Wilhelm III. von Oranien angelegte Königstraße bot die perfekte Voraussetzung für einen Prachtboulevard. Auf der Grundlage der Karte Goldammers entwarf von Vagedes einen „Plan von Crefeld“, wobei er sich am holländischen Prinzip orientierte. Dieses basiert auf einer geradlinigen Straßenführung, um das Stadtbild übersichtlich zu gestalten. Mannheim und New York beispielsweise verdanken den Holländern ihr heutiges Stadtbild.

Auf dieser Grundlage plante Adolph von Vagedes, Krefeld mit einem rechteckigen Kastrum bestehend aus vier Wällen zu umschließen, deren Verlauf sich an der geraden Führung der Stadtmauer orientierte. Die Gradlinigkeit und Geschlossenheit des Kastrums ist in Deutschland noch immer einzigartig. Die Form erinnert an die Kaiserstadt Pekings, weshalb der Autor Otto Brües in seinem Roman „der Silberkelch“, der die Stadterweiterung durch von Vagedes behandelt, Krefeld wegen seiner Seidenproduktion und der baulichen Ähnlichkeit mit Chinas Hauptstadt vergleicht. Dass von Vagedes sich an Peking orientierte, ist jedoch nicht belegt.

Am 5. November 1817 sandte Adolph von Vagedes seinen Entwurf an den Krefelder Landrat Georg Cappe. Sein Plan verdreifachte den Umfang der Stadt und schien im Not- und Hungerjahr 1817 nach den Napoleonischen Kriegen unvorstellbar. Trotzdem entschied sich die Stadtverwaltung unter großem Einfluss des Landrats Cappe für den Ausbau Krefelds. Der Ostwall sollte als Prachtboulevard angelegt und mit Bäumen, Blumenbeeten und Denkmälern geschmückt werden, so dass er zum Flanieren und Betrachten einlud. Ein konkreter Bauplan entstand am 11. Mai 1819 und nach ihm wurde der zukünftige Ostwall erstmals 1826 aufgezeichnet.

Die Umsetzung des neuen Stadtplans brachte einige Schwierigkeiten mit sich. So standen beispielsweise der Park des Stadtschlosses von der Leyen sowie der Heydweillersche Garten einer symmetrischen Form entgegen. Zudem konnten einige bereits bestehende Etablissements nicht abgerissen werden und der heutige Nordwall berührte Fabriken und Windmühlen.

Die Bepflanzung der vier Wälle folgte wohl zwischen 1838 und 1840 durch Gartenbaumeister Maximilian Friedrich Weyhe und seinem jüngeren Sohn Wilhelm August. Später beteiligte sich auch sein älterer Sohn Joseph Clemens Weyhe an der Gestaltung der Wälle. Der Ostwall wurde zunächst mit vier Reihen holländischen Linden bepflanzt, aber bald kamen Platanen, Rot- und Weißkastanien, verschiedene Ahornarten und amerikanische Eichen hinzu. Noch heute sind diese alten Bäume ein bedeutender Bestandteil des Ostwalls. Die Flächen zwischen den Bäumen wurden in den 1850er Jahren durch den Stadtgärtner Haack mit Blumenbeeten geschmückt, auf denen Pflanzen wie Canna, Riesenhanf, Riesenmais oder schwarzer Perilla wuchsen. Diese Beete fassten Brunnen und Denkmäler ein (z. B. die De-Greiff-Säule, das Moltkedenkmal, die Carl-Wilhelm-Büste oder das Ludwig-Friedrich-Seyffardt Denkmal), die als auffällige Blickpunkte im Stadtbild an Straßenkreuzungen standen. Fast alle Denkmäler wurden während des Zweiten Weltkriegs zerstört oder bei Straßenausbaumaßnahmen in den 1950er Jahren abgerissen.